Hoch oben über Neumarkt (Oberpfalz) gab es schon ab dem 12. Jahrhundert einen Adelssitz. Dort ließ sich das edle Rittergeschlecht der Wolfsteiner eine feudale Burg erbauen. Die Burgruine Wolfsein, Neumarkts ältestes Wahrzeichen, ist nach Ausgrabungen und einer umfassenden Sanierung zu einem echten Schmuckstück geworden. Das weithin sichtbare Wahrzeichen thront 150 m über der Stadt.
Mitte des 15. Jahrhunderts wurde die Burg an die Pfalzgrafen in Neumarkt verkauft. Außer im Landshuter Erbfolgekrieg wurde sie nie angegriffen oder zerstört. Die Burg verfiel jedoch seit Beginn des 17. Jahrhunders und wurde dann zum Abbruch freigegeben. Viele der Steine findet man in Gebäuden der Stadt Neumarkt wieder.
Im Jahre 1997 begannen die archäologischen Ausgrabungen durch die Wolfsteinfreunde Neumarkt e.V.. Mit kUnterstützung des Landesamtes für Denkmalpflege wurden Burggraben, Zwinger, Kemenathe, Kapelle, Kastenhaus, Palas und mehr freigelegt und wissenschaftlich dokumentiert.
Auch ranken sich Sagen und Geschichten um dieses alte Gemäuer.
Sage um die Burg Wolfstein
Vor langer Zeit hatte ein Bauer aus einem kleinen Ort in der Nähe von Neumarkt, einen Traum. Er träumte, dass er sich zur Abendzeit im Wirtshaus Drei Mohren einfinden soll. Dort warte ein Kamerad, mit dem er zu Mitternacht auf der Burgruine Wolfstein einen Schatz heben werde.
Er nahm diesen seltsamen Traum ernst genommen. Doch er träumte ein zweites und drittes Mal davon, und beschloss daraufhin, nun doch in dieses Wirtshaus zu gehen.
Bald erfuhr er von seinem Tischnachbarn, dass dieser denselben Traum ebenfalls dreimal hatte.
Daraufhin berieten sich die zwei, was sie nun weiter unternehmen sollen. Sie kamen zu dem Entschluss, ihrem Glück doch nachzuhelfen.
Um Mitternacht waren sie an der Burgruine angekommen. Sie waren von Schatten und unheimlichen Geräuschen umgeben und wollten deshalb diesen gespenstigen Ort verlassen.
Doch auf einmal erschien plötzlich eine weiße Frauengestalt im Hof der Burg. Unfähig, sich zu bewegen, hörten sie, was ihnen die weiße Gestalt zu berichten hatte:
Seit über hundert Jahren, Nacht für Nacht, wartet sie auf diejenigen, die sie erlösen werden.
Sie bat ihr zu folgen und so schritten die verängstigten Männer durch die Ruine, bis sich ein dunkler Gang vor ihnen auftat. Am Ende des Ganges öffnete sich langsam eine große schwere Tür, die in
einen schwarzen Saal führte, der nur von Fackeln erhellt wurde. Eine Truhe stand in der Mitte, auf der eine Schlage mit rotglühenden Augen und einem Schlüssel im Maul lag. Die weiße Frau sagte:
„Holt euch den Schlüssel und der Schatz gehört euch – und ich werde erlöst sein.“
Fest entschlossen gingen die beiden Männer auf die Truhe zu, mit dem Gedanken, nun reich zu werden. Als jedoch die Schlange zu einem Lindwurm anschwoll, Glut und Feuer spie und wild um sich biss, verließ sie der Mut und voller Angst rannten sie um ihr Leben – raus aus dem Saal – nur weg von der unheimlichen Ruine, den Berg hinunter nach Neumarkt.
Das Einzige das blieb, war erbärmliches Wehklagen und Weinen der weißen Frau von Wolfstein.
In der Truhe liegen jene Schätze, die einst von den Rittern zu Wolfstein geraubt wurden, und dessen letzter Räubers-Tochter war das Burgfräulein, deren Auftrag es vom Vater war, es für fromme Zwecke zu verwenden. Dies tat sie jedoch nicht und muss seither in den verfallenen Gemäuern der Burg umherwandern.
Wohl nur die rechtmäßigen Besitzer des Schatzes können die weiße Frau erlösen. Die letzten bekannten waren wohl die beiden Bauern, denn bis heute hört man in stürmischen Vollmondnächten das Weinen und Wehklagen der ruhelosen weißen Frau.